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Management

Mit Transparenz und Fairness

Für die meisten Unternehmer ist das Kfz-Leasing ein attraktiver Weg, die eigene Fahrzeugflotte gut und günstig zu finanzieren. Probleme bei der Leasingrückgabe zum Vertragsende können mit Weitblick reduziert werden.

Bild oben: Foto: © vege – stock.adobe.com
Das Kraft­fahrzeug-Leas­ing ist eine sehr be­liebte Möglichkeit, im­mer die neuesten Fahrzeug­mod­elle zu fahren und dabei auch noch viele Vorteile ge­nießen zu kön­nen. Die Leas­in­grat­en sind für Un­terneh­men steuer­lich ab­setzbar, und bei den meis­ten Marken wer­den Leas­ingkun­den sehr zu­vork­om­mend be­han­delt, denn Au­to­händler er­hof­fen sich hi­er eine langfristig sehr zufrie­dene und treue Stammkund­schaft. So wer­den z.B. rund 70 Prozent der Au­tos mit dem Stern am Küh­ler heutzu­tage ge­least, und dabei sind auch im­mer mehr Pri­vatleute vom Leas­ing als el­e­gante Möglichkeit der Fahrzeug-Fi­nanzierung begeis­tert. Der gravierend­ste Un­ter­schied aber zur Barzah­lung oder zum Ratenkauf: Ein Leas­ing­fahrzeug ge­hört dem Nutz­er nicht. Be­sitz­er bleibt meist eine Leas­ing­bank, die dem Leas­ingneh­mer das Fahrzeug nur für den ver­traglich fest­gelegten Zei­traum von meist drei oder vi­er Jahren ver­mi­etet. „Fin­ger weg vom Leas­ing“, sa­gen sich da­her all die­jeni­gen Aut­o­fans, die sich in ihrem Fahrzeug so pudel­wohl fühlen möcht­en wie im ei­ge­nen zweit­en Wohnz­im­mer und die zu ihrem Au­to eine ganz per­sön­liche Bezie­hung auf­bauen wollen, „bis dass der TÜV sie schei­de­t“!
Wer das Au­to aber als kom­fort­ablen Ge­brauchs­ge­gen­s­tend ver­ste­ht, der kann mit einem Leas­ing­fahrzeug kaum et­was falsch machen – es sei denn, er hält sich nicht an die ver­traglich fest­gelegte Kilome­ter-Lau­fleis­tung oder er ge­ht nicht pfleglich genug mit dem Ve­hikel um. Denn bere­its am Tag der Jungfer­n­fahrt ste­ht un­ab­wend­bar das Da­tum der Leas­in­grück­gabe fest, und das kann ein Tag der großen Über­raschun­gen wer­den, wenn man sich nicht gut auf das Pro­cedere der unausweich­lichen Über­prü­fung des Fahrzeugzu­s­tands am Tag X vor­bereit­et hat. Egal ob man sei­nen Ver­trag über eine Leas­ing­bank der Au­to­mo­bilkonz­erne abgeschlossen hat, über ein Leasin­gange­bot der Haus­bank oder aber über ei­nen freien Leas­ing-Di­en­stleis­ter – die Rück­gabe des Fahrzeugs er­fol­gt zumeist bei dem Au­to­händler, der einem das Fahrzeug über­lassen hat. Und hi­er fin­d­et eine Be­w­er­tung des aktuellen Fahrzeug-Zu­s­tan­des statt, denn der Fahrzeugei­gen­tümer (Leas­ing­bank) muss ja ge­nau wis­sen, ob das Fahrzeug zum vorab kalkulierten Rest­w­ert als Ge­braucht­wa­gen weit­er­verkauft wer­den kann. Wenn nicht, dro­ht dem Leas­ingneh­mer eine Rech­nung über den ent­s­tan­de­nen Min­der­w­ert.

Ge­brauchsspuren tol­er­a­bel

Foto: © vege – stock.adobe.com
Fo­to: © vege – stock.adobe.com

Ein Kfz-Sachver­ständi­ger schildert den typischen Ablauf der Zu­s­tand­sprü­fung so: „Zunächst wer­den das Al­ter und die Lau­fleis­tung geprüft sowie die Voll­ständigkeit der Fahrzeug­pa­piere, der Sch­lüs­sel, des Bor­d­w­erkzeugs, Ver­band­kas­ten, Warn­weste, Re­server­ad und so weit­er. Ist ein zweit­er Rad­satz (Win­ter­reifen) vorhan­den und in welchem Ver­sch­leißzu­s­tand sind die Rad-Reifen-Kom­bi­na­tio­nen? Be­son­ders Rand­stein­schä­den an den Fel­gen sind sehr ärg­er­lich, weil sie sich kaum be­seiti­gen lassen. Die Berei­fung muss noch eine Min­dest­pro­filtiefe von vi­er Mil­lime­tern aufweisen. Dann wird die Werk­s­tatt-His­to­rie einge­se­hen, um zu prüfen, ob auch alle War­tungs- und In­spek­tion­ster­mine einge­hal­ten wur­den. Früher war das im Bor­d­buch doku­men­tiert, aber heute sind diese Dat­en dig­i­tal über die EDV des Au­to­haus­es sch­nell abruf­bar. Dann fol­gt die tech­nische Prü­fung: Der Feh­ler­speich­er und das Be­triebssys­tem in der Bor­delek­tronik wer­den aus­ge­le­sen, um mögliche Feh­lerquellen zu fin­d­en. Sind Undichtigkeit­en am Mo­tor erkenn­bar, sind die Flüs­sigkeitsstände in Ord­nung (Öl, Kühl­wass­er, Brems­flüs­sigkeit) und sind Aus­puff- und Brem­san­lage nicht zu sehr ab­genutzt? Als Let­ztes kommt dann die au­gen­schein­liche Be­trach­tung der Sitzbezüge, Tep­piche, der Ar­ma­turentafel, der Scheiben und des In­terieurs, ge­nau­so wie die ge­fürchtete Kon­trolle der Karosserie. Beulen, Stein­sch­läge oder Kratz­er im Lack sind in geringem Um­fang durchaus als Ge­brauchsspuren zu to­leri­eren, aber wenn sie zu groß sind, zu tief im Lack oder zu zahl­reich über die Karosserie verteilt, sind Lackschä­den meist der Aus­lös­er für an­hal­tende Diskus­sio­nen.“
Dass ein Au­to nach eini­gen Jahren der Nutzung nicht so aus dem Ei ge­pellt ausse­hen kann wie am er­sten Tag, ver­ste­ht sich dabei auch von selbst. Da­her haben die meis­ten Au­to­marken mittler­weile Richtlinien für eine „trans­par­ente und faire Be­w­er­tung“ aufgestellt, die zwischen „akzept­ablen Ge­brauchsspuren“ und „nicht akzept­ablen Schä­den“ un­ter­schei­den. Mit die­sen Kri­te­rien soll­ten sich Leas­ingkun­den durchaus schon Mo­nate vor dem Rück­ga­beter­min aus­führ­lich beschäfti­gen, denn Beschädi­gun­gen, die man bere­its vorab in ein­er Werk­s­tatt fach­män­nisch und kostengün­stig be­seiti­gen lassen kann, wer­den einem später nicht bei der Leas­in­grück­gabe in Rech­nung gestellt.

Zeit ist Geld


Gut ge­meinte Ratsch­läge sowie über­sichtliche Check­lis­ten für die per­sön­liche Vor­bere­i­tung des Rück­ga­beter­mins geben viele Kfz-Branchen­ver­bände, Recht­san­wälte mit dem Kom­pe­ten­zge­bi­et Leas­in­grecht sowie Au­to­mo­bil­clubs wie AvD oder ADAC. Beschäftigt man sich rechtzeitig vor der Rück­gabe mit dem The­ma, wird man nicht von plöt­zlichen Ent­deck­un­gen über­rascht und kann seine Ar­gu­men­ta­tion gut vor­bereit­en. Auch hi­er gilt die kluge Weisheit, wo­nach Zeit Geld ist. In je­dem Fall kann es nicht scha­den, bei einem Kfz-Sachver­ständi­gen oder einem Kfz-Prüfzen­trum schon mal vorab ein ei­genes Gu­tacht­en er­stellen zu lassen, das als Ver­gleich zur Be­w­er­tung beim Au­to­händler eine gute Ar­gu­men­ta­tion­shilfe sein kann. Was wird vo­raus­sichtlich als Scha­den und was kann als „nor­male Ge­brauchsspur“ be­w­ertet wer­den, die mit der Leas­in­grate abgedeckt ist. Eine Vor­abprü­fung lie­fert sich­er viele An­halt­spunkte für ein kom­pe­tentes Auftreten am Tag X. Bei der Be­w­er­tung des Fahrzeugs sollte man auch beacht­en, dass alle Bean­s­tan­dun­gen möglichst ge­nau im Rück­nah­me­pro­tokoll beschrieben sind. Dies gilt insbe­son­dere für Lackschä­den, Kratz­er, Beulen oder Stein­sch­lag-Mack­en.
Sind sie mit dem Vermerk bes­timmter Schä­den oder der damit ver­bun­de­nen Kosten­be­w­er­tung nicht ein­ver­s­tan­den, lassen Sie auch Ihr Ve­to in das Pro­tokoll aufneh­men. Zusät­zlich kann es nicht scha­den, wenn Sie zum Rück­ga­beter­min ei­nen neu­tralen Zeu­gen mit­neh­men, der bei Un­s­tim­migkeit­en darüber Auskunft geben kann, was vor Ort von wem ge­sagt wurde. Ein Rück­nah­me­pro­tokoll, das nicht voll­ständig aus­ge­füllt ist, sollte man nicht un­ter­schreiben und sich im Zweifel lie­ber ju­ris­tischen Rat bei einem Fachan­walt holen. Bei Un­s­tim­migkeit­en über die Höhe der Scha­denser­mittlung wird in der Regel ein ex­tern­er Sachver­ständi­ger mit der erneuten Fahrzeug­be­w­er­tung beauf­tragt, wobei sich Leas­ingneh­mer und Au­to­haus die Kosten für die­s­es Gu­tacht­en teilen müssen.

Großzügiger Ermessensspiel­raum

Foto: © jeffy1139 – stock.adobe.com
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Aber auch wenn das Fahrzeug mit einem Kratz­er oder ein­er Beule zurück zum Au­to­haus kommt, muss das nicht unbe­d­ingt zu ein­er stritti­gen, ju­ris­tischen Au­sei­nan­derset­zung führen. „Bei jähr­lich mehr als 1.000 Leas­in­grück­läufern kommt es bei uns ei­gentlich nur ein- bis zwei­mal im Jahr so weit“, erzählt der Ver­trieb­sleit­er eines großen Au­to­haus­es im Hin­ter­grundge­spräch: „Wir Au­toverkäufer sind hi­er durchaus bere­it, unseren Ermessensspiel­raum großzügig zu nutzen, wenn wir damit den Kun­den be­hal­ten und zu einem neuen Leas­ingver­trag be­we­gen kön­nen.“ Ist für den Un­terneh­mer al­so ab­se­h­bar, dass die Leas­in­grück­gabe keine leichte Sache wird, sollte er sich im Vor­feld al­so durchaus schon mal Ge­danken machen, ob das näch­ste Leas­ing­fahrzeug nicht auch beim bish­eri­gen „Au­to­haus des Ver­trauen­s“ bestellt wer­den kann. Und um künfti­gen Proble­men bei der näch­sten Leas­in­grück­gabe rechtzeitig vorzubeu­gen, sollte man sich den Grund­satz zu ei­gen machen: „Be­han­dele dein Leasin­gau­to so, als wäre es dein
ei­genes!“ Em­rich Wels­ing | re­dak­tion@nied­er­rhein-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 05/2017



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