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Management

Unternehmenspraxis

PER­SO­N­AL & KAR­RIERE

Ar­beitsvol­u­men bei über 15 Mil­liar­den Stun­den

Im er­sten Quar­tal 2017 ar­beit­eten die Er­werb­stäti­gen in Deutsch­land laut ein­er Anal­yse des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung (IAB) 15,3 Mil­liar­den Stun­den – 3,2 Prozent mehr als im ent­sprechen­den Vor­jahresquar­tal. Die Pro­duk­tiv­ität steige zwar mod­er­at, aber die Wirtschafts- und Pro­duk­tiv­ität­sen­twick­lung habe mit dem Ar­beits­markt­trend nicht Schritt ge­hal­ten. Ein stei­gen­des Ar­beitsvol­u­men sei gut, aber pro­duk­tiv­er werde die Ar­beit durch in­ten­sive Weiter­bil­dung und be­trie­bliche sowie staatliche In­vesti­tio­nen. Die An­zahl der Vol­lzeitbeschäftigten wuchs im er­sten Quar­tal um 1,4 Prozent ge­genüber dem Vor­jahresquar­tal, die der Teilzeitbeschäftigten um 2,2 Prozent. Die Er­werb­stätigkeit ins­ge­samt nahm um 1,5 Prozent zu und lag bei 43,7 Mil­lio­nen Per­so­n­en. Die durch­sch­nittliche Ar­beit­szeit pro Er­werb­stätigem lag bei 350,7 Stun­den und ist damit ge­genüber dem Vor­jahresquar­tal um 1,7 Prozent gestie­gen. Dafür stan­den mit 64,3 Ta­gen aber auch drei Ar­beit­s­tage mehr zur Ver­fü­gung als 2016. Der Kranken­s­tand lag – auch auf­grund der starken Ver­bre­i­tung der In­fluen­za – bei 5,2 Prozent und ist somit um 0,35 Prozent­punkte gestie­gen.

Ar­beits­markt­barom­e­ter mit leichtem Rück­gang


Das Ar­beits­markt­barom­e­ter des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung (IAB) ist im Ju­ni er­st­mals wied­er ge­sunken, nach­dem es zu­vor mehr als ein Jahr lang angestie­gen war. Ge­genüber dem Vor­mo­nat gab der Frühindika­tor um 0,3 auf 104,2 Punkte nach. Dies­er Dämpfer ge­ht auf die Aus­sicht­en für die En­twick­lung der Ar­beit­s­losigkeit zurück: Die Ar­beit­s­losigkeit­skom­po­nente des IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ters sank im Ju­ni um 0,6 auf 101,4 Punkte. Damit sind die Er­war­tun­gen aber nach wie vor pos­i­tiv. Die Ar­beit­sa­gen­turen gin­gen von ein­er leicht sink­en­den Ar­beit­s­losigkeit aus, trotz der Her­aus­forderung, die Flüchtlinge in den Ar­beits­markt zu in­te­gri­eren. Die abgesch­wächt­en Er­war­tun­gen seien als Nor­mal­isierung ein­er sehr pos­i­tiv­en En­twick­lung zu se­hen. Dafür spreche auch, dass die Beschäf­ti­gungsaus­sicht­en her­vor­ra­gend blieben: Die Beschäf­ti­gungskom­po­nente des IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ters hielt sich im Ju­ni auf dem sehr ho­hen Stand von 106,9 Punk­ten. Die Kon­junk­tur liefe rund, die Be­triebe stell­ten ein und hiel­ten zu­gleich ihre Fachkräfte, die auf dem Ar­beits­markt im­mer knap­per wür­den. Zum Aufwärt­strend trü­gen auch kon­junk­tu­run­ab­hängige Branchen wie Pflege oder Erzie­hung in ho­hem Maße bei. Das IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ter ist ein Frühindika­tor, basierend auf ein­er mo­natlichen Um­frage der Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit un­ter allen lokalen Ar­beit­sa­gen­turen. Die Punkte-Skala reicht von 90 (sehr sch­lechte En­twick­lung) bis 110 (sehr gute En­twick­lung).


KON­JUNK­TUR

Gute Kon­junk­tur in Deutsch­land

Die deutsche Wirtschaft befin­d­et sich bere­its seit Früh­jahr 2013 in einem langge­zo­ge­nen Auf­sch­wung. Das Leib­niz-In­sti­tut für Wirtschafts­forschung Halle (IWH) er­wartet, dass sie im Som­mer­hal­b­jahr weit­er deut­lich ex­pandieren wird. Die Bin­nen­nach­frage und auf­grund der gün­sti­gen Ar­beits­markt­lage insbe­son­dere der pri­vate Kon­sum dürften kräftig bleiben. Die pri­vat­en Haushalte wer­den bei an­hal­tend gün­sti­gen Fi­nanzierungsbe­din­gun­gen auch ihre Bauak­tiv­itäten weit­er ausweit­en, eben­so die Ge­bi­et­skör­per­schaften, zu­mal die Steuerein­nah­men hoch sind. „Die Zuwach­s­rate des Brut­toin­land­spro­dukts ist allerd­ings we­gen der gerin­geren Zahl an Ar­beit­s­ta­gen in die­sem Jahr mit 1,6 Prozent et­was nie­driger als 2016. Im kom­men­den Jahr dürfte der Zuwachs 1,8 Prozent be­tra­gen“, sagt Oliv­er Hol­temöller, Leit­er der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsi­dent des IWH. Mit jew­eils 1,7 Prozent in die­sem und im näch­sten Jahr fällt der An­stieg der Ver­braucher­preise mod­er­at aus, aber deut­lich stärk­er als in den drei Jahren zu­vor. Die Ar­beit­s­losigkeit nimmt zunächst weit­er ab. Die öf­fentlichen Haushalte erzielen weit­er­hin deut­liche Über­schüsse, auch in kon­junk­tur­bereinigter Rech­nung. Risiken für die deutsche Wirtschaft re­sul­tieren vor allem aus den globalen wirtschaft­spoli­tischen Rah­menbe­din­gun­gen.

Preise für Roh­stoffe im Mai ge­fall­en

Im Mai fiel der Roh­stoff­preisin­dex des Ham­bur­gischen Weltwirtschaftsin­sti­tuts (HWWI) um 3,9 Prozent (in Eu­ro: -6,8 Prozent) ge­genüber dem Vor­mo­nat. Der In­dex ohne En­ergie fiel um 3,1 Prozent (in Eu­ro: -6,0 Prozent). Die Ur­sache für die En­twick­lung waren Preis­senkun­gen vor allem bei den En­ergie- und In­dus­trieroh­stof­fen. So sank der In­dex für En­ergieroh­stoffe um 4,1 Prozent (in Eu­ro -7,0 Prozent) und der In­dex für In­dus­trieroh­stoffe fiel um 5,0 Prozent (in Eu­ro -7,8 Prozent). Wenig verän­derten sich die durch­sch­nittlichen Preise bei den Nahrungs- und Genuss­mit­teln (+0,1 Prozent; in Eu­ro: -2,9). Ge­genüber dem Vor­jahr stieg der HWWI-Roh­stoff­preisin­dex um 12,3 Prozent (in Eu­ro +14,8 Prozent).

Weniger Un­terneh­mensin­sol­venzen

Im er­sten Quar­tal 2017 melde­ten die deutschen Amts­gerichte 5.177 Un­terneh­mensin­sol­venzen. Das waren nach An­gaben des Statis­tischen Bun­de­samtes (Des­tatis) 4,3 Prozent weniger als im er­sten Quar­tal 2016. Damit set­zte sich der Trend ab­neh­men­der Un­terneh­mensin­sol­venzen im er­sten Quar­tal 2017 fort. Im Wirtschafts­bereich Han­del (ein­sch­ließlich In­s­tand­hal­tung und Re­para­tur von Kraft­fahrzeu­gen) gab es mit 940 Fällen die meis­ten In­sol­venzen. 855 In­sol­ven­zan­träge stell­ten Un­terneh­men des Baugewerbes. Im Gast­gewerbe wur­den 551 und im Wirtschafts­bereich Er­brin­gung von freiberu­flichen, wis­sen­schaftlichen und tech­nischen Di­en­stleis­tun­gen 547 In­sol­ven­zan­träge gemeldet. Die vo­raus­sichtlichen Forderun­gen der Gläu­biger be­lie­fen sich auf rund 5,1 Mil­liar­den Eu­ro. Im er­sten Quar­tal 2016 hat­ten sie bei knapp 4,7 Mil­liar­den Eu­ro gele­gen. Dies­er An­stieg der Forderun­gen bei gleichzeitigem Rück­gang der Zahl der Un­terneh­mensin­sol­venzen ist da­rauf zurück­zuführen, dass die Gerichte im er­sten Quar­tal 2017 mehr In­sol­venzen von wirtschaftlich be­deu­ten­den Un­terneh­men reg­istri­erten als im Vor­jahresquar­tal.

MA­N­AGE­MENT


Zei­tar­beit bi­etet Flüchtlin­gen Ein­stiegschan­cen

Jede vierte Zei­tar­beits­fir­ma hat laut ein­er Studie des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung (IAB) im vierten Quar­tal 2016 schon Er­fahrun­gen mit Ge­flüchteten ge­sam­melt, die seit 2014 nach Deutsch­land gekom­men sind. Da­nach fol­gen „Gast­gewer­be“ sowie „Erzie­hung und Un­ter­richt“ mit jew­eils knapp 16 Prozent und „Me­t­alle und Me­t­allerzeu­gung“ mit gut 13 Prozent. Ins­ge­samt hat­ten im vierten Quar­tal 2016 bere­its zehn Prozent der rund 211.000 deutschen Be­triebe Er­fahrun­gen mit den Ge­flüchteten ge­sam­melt – und damit vi­er Prozent mehr als noch ein halbes Jahr zu­vor. Rund 13 Prozent der Be­triebe aus der Zei­tar­beits­branche hat­ten zum Ende des Jahres schon ei­nen der seit 2014 nach Deutsch­land Ge­flüchteten eingestellt. Der Durch­sch­nittsw­ert für die Ge­samtwirtschaft lag zu die­sem Zeit­punkt bei et­wa 3,5 Prozent. 16 Prozent der Be­triebe plan­ten zum Be­fra­gungszeit­punkt die Ein­stel­lung von Ge­flüchteten, acht Prozent die Aus­bil­dung. Nach Auskunft der IAB-Forsch­er hät­ten Ge­flüchtete in den Be­trieben die besten Chan­cen auf eine Aus­bil­dung oder eine Beschäf­ti­gung, in de­nen bere­its ein ho­her An­teil von Per­so­n­en mit aus­ländisch­er Na­tio­n­al­ität beschäftigt sei. An­der­sherum seien aus be­trie­blich­er Sicht un­zureichende Deutschken­nt­nisse derzeit der Haupt­grund für Ein­stel­lung­shemm­nisse von Ge­flüchteten. Zu­dem wür­den viele Be­triebe die beru­flichen Qual­i­fika­tio­nen der ge­flüchteten Men­schen als noch nicht aus­reichend ein­schätzen. An­gesichts des langfristig sink­en­den Ar­beit­skräfte­potenzials in Deutsch­land kön­n­ten Ge­flüchtete künftig ei­nen Bei­trag zur Deck­ung des Fachkräftebe­darfs leis­ten. Die hi­er­für notwendi­gen Sprach- und Qual­i­fika­tions­maß­nah­men er­forderten je­doch er­he­bliche An­stren­gun­gen des Staates, der Be­triebe und der Ge­flüchteten.

DE­MO­GRA­FIE

Wie Deutsch­land der De­mo­gra­fie trotzen kann

Trotz wirtschaftlich guter Lage stellt der de­mo­gra­fische Wan­del Pol­i­tik, Wirtschaft und Ge­sellschaft in Deutsch­land vor struk­turelle Her­aus­forderun­gen. In ein­er groß an­gelegten Studie zeigt das In­sti­tut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), wie ver­hin­dert wer­den kann, dass das Wirtschaftswach­s­tum in den kom­men­den Jahrzeh­n­ten ein­bricht. Die Al­terung der Ge­sellschaft schreit­et trotz der ho­hen Zuwan­derung in den näch­sten Jahrzeh­n­ten weit­er fort. Nach IW-Berech­nun­gen wird der An­teil der über 67-Jähri­gen an der Ge­samt­bevölkerung von derzeit 17,7 auf 25,8 Prozent im Jahr 2035 stei­gen. Gleichzeitig schrumpft die Bevölkerung im er­werbs­fähi­gen Al­ter um 2,7 Mil­lio­nen (fünf Prozent). Das hat auch Auswirkun­gen auf das Wirtschaftswach­s­tum. Mithilfe des Growth-Ac­count­ing-Mod­ells haben die IW-Forsch­er berech­net, dass das mögliche jähr­liche Wach­s­tum von 1,7 auf 0,7 Prozent zurück­ge­hen wird. Durch eine gezielte Wirtschaft­spol­i­tik kann die Bun­des­re­pub­lik aber ge­gen­s­teuern: Dafür müsste ein größer­er An­teil der Bevölkerung ar­beit­en, das ge­set­zliche Ren­ten­zu­gangsal­ter sukzes­sive auf 68 Jahre stei­gen und die Woche­nar­beit­szeit leicht ange­hoben wer­den. Alleine da­durch kön­nte das Wirtschaftswach­s­tum in den kom­men­den 18 Jahren jähr­lich um 0,2 Prozent­punkte stei­gen. In­vestieren Staat und Un­terneh­men zu­dem mehr in In­fras­truk­tur, Bil­dung, Forschung und En­twick­lung, zahlt sich das langfristig aus: Nach IW-Berech­nun­gen würde das BIP im Jahr 2035 um 265 Mil­liar­den Eu­ro – umgerech­net sieben Prozent – höher aus­fall­en als in einem Sze­nario ohne diese Im­pulse. Das sind rund 3.200 Eu­ro pro Kopf.

WELTWIRTSCHAFT

In­ve­s­toren in Kau­flaune

Chi­ne­sische Un­terneh­men in­vestieren laut ein­er Studie des In­sti­tuts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) jähr­lich Mil­liar­den in Deutsch­land. Dabei setzen sie im­mer stärk­er auf die di­rekte Über­nahme hie­siger Fir­men, vor allem der Maschi­nen­bau ste­ht im Fokus der Asi­at­en. Dem­nach haben seit 2005 chi­ne­sische In­ve­s­toren 196 deutsche Un­terneh­men ganz oder teil­weise über­nom­men. Zumeist sich­ern sie sich kleine Be­triebe aus dem Maschi­nen­bau und der Au­to­mo­bilin­dus­trie. Doch auch Phar­maun­terneh­men sowie Fir­men aus der Branche der erneuer­baren En­ergien wer­den häu­figer zum Über­nah­meziel. Allein 2016 in­vestierten chi­ne­sische An­leger laut IW weit mehr als 10 Mil­liar­den Eu­ro in Deutsch­land und über­nah­men rund 39 Fir­men – ein neuer Reko­rd. Da die meis­ten In­vesti­tio­nen für sich genom­men zu klein sind, um veröf­fentlicht zu wer­den, dürfte die tat­säch­liche Summe noch höher lie­gen. Chi­ne­sische In­ve­s­toren sicherten sich deutsch­es Knowhow und stießen in neue Märkte vor. Was be­droh­lich klin­gen mag, hat derzeit große Vorteile für die heimische Wirtschaft. Denn häu­fig sch­la­gen chi­ne­sische Fir­men bei Un­terneh­men zu, die in wirtschaftliche Schie­flage ger­at­en sind. Zwar grif­f­en, so die Studie des IW, chi­ne­sische Fir­men auf Spitzen­tech­nolo­gie zu, sie sicherten aber auch viele Ar­beit­s­plätze in Deutsch­land. Un­ter dem Strich über­wö­gen die pos­i­tiv­en As­pekte des chi­ne­sischen En­gage­ments. Allerd­ings würde das Mit­mischen der chi­ne­sischen Pol­i­tik – bei gleichzeitiger Aus­brem­sung der In­vesti­tio­nen im ei­ge­nen Land – zu ein­er Wett­be­werbsverz­er­rung führen.

Ste­fan Mülders | re­dak­tion@nied­er­rhein-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017