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Business

Aus der Welt in die Region

Stahlhändler beziehen ihre Waren weltweit und verkaufen sie dann im überschaubaren Umkreis. Trotz globaler Überkapazitäten sind die Absatzzahlen weitgehend stabil.

Bild oben: (Foto: © industrieblick – stock.adobe.com)
Der Stahl­han­del – oder auch die Stahldis­tri­bu­tion – bildet das Bin­deglied zwischen der weltweit­en pro­duzieren­den In­dus­trie und den ve­rar­bei­t­en­den Un­terneh­men vor Ort. Die Branche ist sehr vielfältig, aber rel­a­tiv über­schaubar in der Un­terneh­men­szahl. Der Bun­desver­band Deutsch­er Stahl­han­del (BDS) in Düs­sel­dorf zählt rund 400 Mit­glied­er. „Deutsch­land­weit ex­istieren aber ins­ge­samt et­wa 600 lager­hal­tende Stahl­händler und Stahl-Ser­vice-Händler“, weiß Jörg Feger, Bereich­sleit­er Re­search im BDS.
Nor­drhein-West­falen spielt auf­grund sein­er über­durch­sch­nittlich vielen Zen­tral­lager und Stahl-Ser­vice-Cen­ter in der Re­gion Rhein-Ruhr eine deutsch­land­weit wichtige Rolle. Die Un­terneh­men im bevölkerungs­reich­sten Bun­des­land sor­gen – in den einzel­nen Teil­bereichen des Stah­lver­triebs zwischen 30 und über 66 Prozent variierend – für 48 Prozent des Ge­samtab­satzes bei Walzs­tahlfertigerzeug­nis­sen.

Globale Überka­paz­itäten

(Foto: ©  industrieblick – stock.adobe.com)
(Fo­to: © in­dus­trie­blick – stock.adobe.com)

Bevor der BDS 1969 mit 2.100 Mit­glied­ern ge­grün­det wurde, ex­istierten in Deutsch­land drei Re­gio­n­alver­bände. Seit­dem ist der BDS einziger Branchen­ver­band. „Der Rück­gang der Un­terneh­men­san­zahl ist mit ein­er üblichen Konzen­tra­tion des Marktes zu erk­lären“, sagt Feger. „Unsere 400 Mit­glieds­be­triebe sind deut­lich größer als die große An­zahl der Händler vor 50 Jahren.“ Größte Her­aus­forderung sei seit rund zehn Jahren die globale Überka­paz­ität auf den Stahlmärk­ten, die her­steller­seitig getrieben ist. Un­ter den Überka­paz­itäten lei­den auch die Dis­trib­u­toren – un­ter an­derem durch sink­ende Preise und gerin­gere Gewin­n­mar­gen. Aber ein da­rauf zurück­zuführen­der merk­lich­er Rück­gang der Stahl­händler sei nicht die Folge gewe­sen. „Verän­derun­gen im Dis­trib­u­toren­markt sind eher ein­er natür­lichen Fluk­tu­a­tion zuzuord­nen. Die Ab­neh­mer be­weisen sich als sehr lie­fer­an­ten­treu.“ So sind auch die Lager­ab­satz­zahlen, die der BDS seit 2010 in Ei­gen­regie er­hebt und jew­eils im Som­mer für das Vor­jahr veröf­fentlicht, weit­ge­hend sta­bil. „Die Lager­ab­sätze des Stahl­han­dels haben in den Jahren 2010 und 2011 zugelegt, in den bei­den Fol­ge­jahren leicht nachgegeben und 2014 wied­er ange­zo­gen. Im let­zten vor­lie­gen­den Er­he­bungs­jahr 2015 sind die Men­gen dann wied­er rück­läu­fig gewe­sen (-3,0 Prozent) und auf 10,7 Mil­lio­nen Ton­nen und damit den Wert von 2010 ge­fall­en.“ Allerd­ings seien für 2016 und 2017 schon wied­er Steigerun­gen fest­gestellt wor­den, die Statis­tiken seien nur noch nicht voll­ständig.

Leichter Aufwärt­strend erkenn­bar

(Foto: © R.Bitzer Photography – stock.adobe.com)
(Fo­to: © R.Bitz­er Pho­tog­ra­phy – stock.adobe.com)


„Der Ab­satz von Walzs­tahlfertigerzeug­nis­sen lag im ver­gan­ge­nen Jahr bei 10,8 Mil­lio­nen Ton­nen und damit ein Prozent über dem Wert von 2015. Und für die er­sten fünf Mo­nate 2017 kon­n­ten wir vi­er Prozent mehr abge­set­zte Ton­nage fest­stellen als in der gleichen Vor­jahres­pe­ri­ode.“ Grund für den leicht­en Aufwärt­strend ab 2016 sei un­ter an­derem die gute Auf­trags­lage bei den Ab­neh­mern, et­wa in der Baubranche. Auch die An­ti­dump­ing-Entschei­dun­gen der EU hät­ten in Teil­bereichen wie zum Beispiel bei Flach­pro­duk­ten zu ein­er Markt­beruhi­gung ge­führt. Bezugsquellen für die Stahldis­trib­u­toren sind weltweit zu fin­d­en. In Deutsch­land aber haben heimische Werke vor den eu­ropäischen Pro­duzen­ten nach wie vor ei­nen sehr ho­hen An­teil. Auch die Nord­west Han­del AG bestätigt, dass weltweite Lie­fer­an­ten noch ei­nen gerin­gen Teil aus­machen. „Rund 95 Prozent unser­er Bezüge kom­men aus der Eu­ropäischen Union. Allerd­ings sind wir ger­ade dabei, neue bezie­hungsweise weitere Märkte für unsere Fach­han­dels­part­n­er zu er­sch­ließen“, sagt deren Ref­er­entin für Öf­fentlichkeit­sar­beit und Mar­ket­ing, Lea Dom­mel. Bei den Ab­satzkanälen sie­ht die Si­t­u­a­tion schon et­was an­ders aus: Hi­er beschränken sich die Stahl­händler auf re­gio­nale Märkte. „Der durch­sch­nittliche Lie­fer­ra­dius liegt bei et­wa 150 Kilome­tern, denn Stahl ist sehr sch­w­er und sein Tran­s­port kosten­in­ten­siv“, sagt Jörg Feger. „Bei einzel­nen Spezial­händlern kann der Ra­dius auch schon mal et­was größer sein.“

Dig­i­tal­isierung


Trotz tra­di­tioneller Ver­trieb­swege kommt auch der Stahl­han­del zukünftig nicht mehr ohne Dig­i­tal­isierungsprozesse aus. Ger­ade der Preis­druck auf dem Welt­markt macht es zur Notwendigkeit, neue Ver­trieb­skanäle und damit zum Teil auch neue Ziel­grup­pen zu er­sch­ließen. Einige große Händler haben in­zwischen ei­gene On­line-Por­tale aufge­baut, die sie ge­gen eine Art Pro­vi­sion auch an­deren Un­terneh­men öff­nen. De­rartige Platt­for­men sollen den Aufwand auf Seit­en der Händler mit­tel­fristig ver­ringern und die Lie­fer­kette sch­neller und ef­fizien­ter ges­tal­ten. Branchen­größen wie Klöck­n­er oder Thyssenkrupp wollen so schon bald den Großteil ihr­er Kun­den on­line be­di­e­nen. Aber die Dig­i­tal­isierung kann noch mehr: Per­spek­tivisch sind die en­twick­el­ten Sys­teme da­rauf aus­gerichtet, dass Maschi­nen in Pro­duk­tions­be­trieben der Ab­neh­mer das benötigte Ma­te­rial au­to­ma­tisiert bestellen. Spätestens an die­sem Punkt wird klar, dass viele kleine Lö­sun­gen für On­line-Shops nur wenig Sinn haben wer­den und für den jew­eili­gen Be­treiber kaum gewinn­brin­gend ge­führt wer­den kön­nen. Da schei­nen einige wenige pro­vi­sions­basierte Platt­for­men deut­lich ef­fizien­ter.

Ma­te­rialbeschaf­fung


Die Stahldis­trib­u­toren nutzen drei Wege der Ma­te­rialbeschaf­fung. En­twed­er sie er­hal­ten ihre Waren di­rekt bei den Werken, über größere Händler oder sie sind Mit­glied in einem der großen Einkaufver­bünde. Die Einkaufs­büro Deutsch­er Eisen­händler GmbH (E/D/E) in Wup­per­tal und die Nord­west Han­del AG in Dort­mund ver­fü­gen über Un­ter­grup­pen für den Stahl­han­del und sind beide Mit­glied im Bun­desver­band Deutsch­er Stahl­han­del. Ste­fan Mülders | re­dak­tion@nied­er­rhein-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017